Haberfeldtreiben

 
Haberfeldtreiben Im Namen des Kaisers Karl vom Unterberg,
mit seine Zwerg, kema alle Jahr zum
Maschkerazug d´Haberer zam.
Sie san d´Anfühhrer – und beenden den Zug
mit dem großen Haberfeldtreiben am Dorfplatz.

Auf´m Zwergerbalkon gesellen sich gut 15 Haberer
um ihren Moasta – der die kloanan Verfehlungen,
Missglücke und g´spassigen G´schichten öffentlich
bekannt gibt und in Versform unter d´Leit bringt.

A so a fünf Vierzeiler derfen´s scho sei, dass ma aa
woaß um was daß´s geht und wer grad dro is.
Es is nix ehrenrührig´s oder beleidigendes dabei –
und soll halt oafach a Gaudi sei.
Drum fragt da Haberermoasta aa nach jeder G´schicht:
„Buam – is des wahr?“ Worauf vo seine G´sellen
lautstark „wahr is´s“ kimt
„Nacha treibt´s zam!“ - so beendet da Moasta jed´s
Kapitel und mit am lauten Krawoi vo de Hafenglocken
– geht’s na weiter zu da nächsten G´schicht.

A richtig´s ernshaft´s Treiben hat´s bei uns no nia
geb´n. An de 149 davo, san archivaisch nachg´wiesen
und im Staatsarchiv hinterlegt.

Mit der Zeit artete das Trieben der selbsternannten
Sittenrichter derartig aus, daß sogar geschossen wurde
und unzählige Haberer inhaftiert worden san. Sogar
der Kirchenbann wurde über sie verhängt. Nach einem
letzten Treiben in Bad Aibling machte man dem
Geheimbund ein Ende.

Man glaubt, daß de Beira Maschkera selbig´s mal 1899
– beim ersten erwähnten Umzug – des Treiben als
Gaudium o-g´fangt ham.
Seither is des a wichtiger Bestandteil im dörflichen
Brauchtum und in da Maschkerazeit mit dem
traditionellen Fasnachtsörchta.

Nach´m Treibe´n – is vorm Treib´n – und so hat da
Haberermoasta scho oft bereits nach´m Maschkerazug
de ersten Missgeschichte notiert.

Des Jahr is so kurz – und voller Freid seng mia den
nächsten Fasching kema,
bis na wieder hoaßt:
„ Buam, is des wahr?“
– a mords Gaudi -


Hans Eberl, Haberermoasta